Güde Airpower 180/08 Test: Kompressor ohne Kessel

Der Güde Airpower 180/08 sieht aus wie ein kleiner Kompressor und ist konstruktiv etwas anderes: Er hat keinen Druckkessel. Was er ansaugt, geht direkt in den Schlauch. Das ist der eine Satz, an dem sich entscheidet, ob dieses Gerät zu deiner Arbeit passt oder ob du dich hinterher ärgerst.
Wir haben uns angesehen, was Güde im Datenblatt und in der Betriebsanleitung festhält und was daraus für die Praxis folgt. Die Leistungsdaten sind für die Größe respektabel, die Bauart schließt aber ganze Anwendungsbereiche aus.
Die Daten im Überblick
| Modell | Güde Airpower 180/08, Artikelnummer 50077 |
|---|---|
| Anschluss | 230 V ~ 50 Hz |
| Motorleistung | 1,1 kW im Aussetzbetrieb S3, 15 Prozent |
| Leerlaufdrehzahl | 3400 min-1 |
| Maximaler Betriebsdruck | 8 bar |
| Ansaugleistung | 180 l/min |
| Effektive Liefermenge | 140 l/min |
| Druckkessel | keiner, das Gerät fördert direkt in die Leitung |
| Abmessungen | 305 x 155 x 335 mm |
| Gewicht | 4,5 kg laut Betriebsanleitung, 5,4 kg laut Produktseite |
| Schallleistungspegel | 97 dB(A), gemessen nach 2005/88/EG |
| Schutzart | IP 20, Schutzklasse II |
| Verdichter | ölfrei, Riemenantrieb |
| Lieferumfang | 2,5 m Druckluftschlauch mit Schnellkupplung, Ausblaspistole, Reifenfüller, Ballnadel, Adapter für Fahrrad- und Luftmatratzenventil, Kleinteilefach |
Werte nach Produktseite und Betriebsanleitung von Güde. Beim Gewicht widersprechen sich die beiden Herstellerquellen, wir geben deshalb beide Angaben unverändert wieder.
Was ein fehlender Kessel in der Praxis bedeutet
Ein Kompressor mit Kessel arbeitet in Stößen: Er läuft, füllt den Behälter auf den Abschaltdruck, geht aus und liefert danach aus dem Vorrat. Genau davon leben Werkzeuge, die kurz und heftig Luft ziehen. Ein Druckluftnagler braucht in einem Bruchteil einer Sekunde mehr Luft, als jeder kleine Motor in dieser Zeit fördern kann. Er nimmt sie aus dem Kessel.
Der Airpower 180/08 hat diesen Vorrat nicht. Er liefert 140 Liter effektiv pro Minute, aber eben gleichmäßig über die Minute verteilt. Für alles, was einen kontinuierlichen Strom verträgt, ist das völlig ausreichend: Reifen füllen, Späne wegblasen, aufblasbare Sachen füllen. Für alles, was Spitzenlast zieht, ist es zu wenig.
Der zweite Punkt ist der Aussetzbetrieb. S3 mit 15 Prozent heißt: von zehn Minuten läuft das Gerät anderthalb, danach muss es abkühlen. Ohne Kessel läuft der Motor aber immer, solange Luft gebraucht wird. Wer damit eine halbe Stunde durcharbeiten will, arbeitet gegen die Auslegung. Bei einem Kompressor mit Kessel übernimmt der Behälter genau diese Pausen.
Ölfrei und riemengetrieben
Ölfrei bedeutet wartungsarm und bedeutet gleichzeitig, dass keine Ölnebel in die Leitung gelangen. Für Reifen, Bälle und zum Ausblasen ist das ein echter Vorteil, weil man sich um nichts kümmern muss und nichts nachfüllt. Der Preis dafür ist eine kürzere Lebensdauer der Verdichtereinheit unter Dauerlast, was bei einem Gerät dieser Größe aber ohnehin nicht der Einsatzfall ist.
Der Riemenantrieb ist bei dieser Preisklasse ungewöhnlich. Direkt gekoppelte Verdichter drehen mit Motordrehzahl, riemengetriebene laufen langsamer und damit ruhiger. Die 97 dB(A) Schallleistung sind trotzdem kein leiser Wert. Gehörschutz ist bei diesem Gerät kein Vorschlag.
Wo er an Grenzen kommt
Dafür
- 140 l/min effektive Liefermenge sind für die Baugröße viel
- Ölfrei, damit wartungsarm und ohne Ölnebel in der Leitung
- Riemenantrieb statt direkter Kopplung
- Zubehör für Reifen, Bälle und Ausblasen liegt komplett bei
- Mit rund fünf Kilogramm einhändig tragbar
- Kein Kessel heißt auch: keine Kesselprüfung, kein Kondensat ablassen
Dagegen
- Ohne Druckkessel für Nagler, Schlagschrauber und Lackierpistole ungeeignet
- Aussetzbetrieb S3 15 Prozent begrenzt die Laufzeit deutlich
- 97 dB(A) Schallleistung, Gehörschutz ist Pflicht
- Der Motor läuft, solange Luft entnommen wird, also fast durchgehend
- Herstellerangaben zum Gewicht widersprechen sich
Die Bauart ist kein Mangel, sondern eine Entscheidung. Sie muss nur zur Aufgabe passen. Wer Druckluftwerkzeug betreiben will, sucht in einer anderen Geräteklasse weiter.
Passt er zu deiner Arbeit?
Ja, wenn
- du Reifen füllst, ausbläst und aufblasbare Dinge befüllst
- das Gerät oft den Platz wechselt und leicht sein soll
- du keine Lust auf Ölwechsel und Kondensatablass hast
- du kurze Einsätze fährst und danach ohnehin Pause ist
Nein, wenn
- du Druckluftnagler oder Schlagschrauber betreiben willst
- du lackieren oder sandstrahlen möchtest
- du längere Zeit am Stück Luft brauchst
- der Kompressor ohnehin an einem festen Platz steht
Wer sich in der rechten Spalte wiederfindet, sollte gleich zu einem Gerät mit Behälter greifen. Schon sechs Liter machen den Unterschied, wie der Metabo Basic 160-6 W OF in derselben Größenordnung zeigt.
Drei Alternativen, die sich lohnen zu vergleichen
Derselbe Hersteller mit Kessel: Güde Airpower 190/08/6
Der große Bruder bringt einen Sechs-Liter-Kessel mit und bleibt ansonsten bei der bekannten Auslegung, ölfrei und für den mobilen Einsatz gedacht. Er ist der naheliegende Schritt, wenn dir beim 180/08 genau das eine Bauteil fehlt. Er ist entsprechend schwerer und größer.
Wenn es solider sein soll: Metabo Basic 160-6 W OF
Metabo baut in derselben Klasse einen Sechs-Liter-Kompressor mit Druckminderer und Manometer, dazu Überlastschutz und Kondensatablass. Er ist deutlich teurer, dafür bekommt man ein Gerät, das man an eine Druckluftleitung hängt und nicht nur an einen Schlauch.
Wenn es noch mobiler sein soll: Scheppach Airforce 7
Der Airforce 7 zielt auf denselben Einsatz und ist noch stärker auf Transport ausgelegt. Wer den Kompressor überwiegend im Auto mitführt und selten in der Werkstatt braucht, findet hier den kompakteren Zuschnitt. An der Grundfrage nach dem Luftvorrat ändert auch er nichts.



